Halte dich fest, rufst du. Lass nicht los, rufe ich.

Die Worte kreisen mit uns. Wie der Tisch, der immer so beladen ist, dass man nur eine kleine Fläche benutzen kann. Die Steuererklärung. Die Kontoauszüge. Die Matratze saust an uns vorbei. Der Wind zerrt an meiner Hose, reißt an den Haaren, will sich zwischen uns drängen. Ich drücke mich fest an dich, wickele meine Arme, meine Beine um dich. Umklammern, bis unser Atem, unser Herzschlag eins wird. Unsere Bäuche schwitzen.

 

Halte dich fest, rufst du. Lass nicht los, rufe ich.

Wir schlagen Purzelbäume in die Mitte, dort, wo der Sturm stumm ist. Wir trudeln abwärts. Um uns peitscht der Wind die Kaffeemaschine, blättert in den Fotoalben. Weißt du noch Italien, als wir so wütend aufeinander waren? Als sich unsere Hände zu Fäusten ballten? Weißt du noch warum? Es fällt mir nicht mehr ein.

Wir halten uns fest, ganz fest, in der Stille. Lass nicht los, atme ich mit dir. Zusammen sind wir stark.

Lass los, schreie ich dem Fremden zu, der an meinen Beinen zieht, mich von dir wegzieht. Ich trete nach ihm. Er lässt nicht von mir ab. Deine Fingernägel kratzen in meine Haut.

 

Halte dich fest, rufst du. Lass nicht los, rufe ich.

 Wir treiben zurück in den Wirbel. Nur noch unsere Oberkörper halten sich. Wir schlingern. Lass nicht los, schreie ich. Der Wind schleudert meine Worte davon, schlägt uns in verschiedene Richtungen. Vorbei an unseren Laptops, unseren Zahnbürsten, unseren Kopfkissen. Mein Flauschiges und dein Hartes. Ich trete und trete, trete den anderen weg. Ihr habt es nicht geschafft, faucht der Wind. Ich pralle gegen dich, wir können uns nicht halten. Staub in meinen Augen. Angst, dass du für immer wegtreibst. Der Küchenstuhl an meinem Kopf. Ein Stoß von hinten, du bist es. (..)